Im ersten Teil dieser Serie ging es um die drei Grundbewegungen, die Marcus Schmieke aus einer einzigen Handlung herleitet: setzen, drehen, streuen. Ich hatte dort drei Arten genannt, wie ein Leben klemmt — und eine davon offengelassen, weil sie einen eigenen Artikel verdient. Die dritte. Die, bei der sich nichts mehr dreht.
Zwei Weisen, dieselbe Form zu halten
Ein System kann seine Gestalt auf zwei völlig verschiedene Weisen halten. Und von außen sehen beide identisch aus: eine stabile Form, die sich über die Zeit nicht verändert.
Mathematisch formuliert Schmieke das als Frage nach einem Strom: Ruhende Ordnung hat einen Strom von null. Lebendige Ordnung hat einen Strom, der kreist und nie aufhört. Dass diese beiden Fälle tatsächlich verschieden sind — dass eine Form sich stillhalten kann, während unter ihr etwas kreist —, ist ein Satz und im Buch als abgeleitet gekennzeichnet.
Dass die kreisende Variante das ist, was Leben ist, markiert Schmieke ausdrücklich als Vorschlag, nicht als Beweis — im Buch steht dort gesetzt. Er hätte es leicht behaupten können. Er tut es nicht.
Lebendiges muss ununterbrochen bezahlen
Und dann zieht er die Konsequenz, die dieses Bild im Alltag so unbequem macht. Ein Lebendiges ist offen — es tauscht ohne Pause mit seiner Umgebung — und genau dieses Getriebenwerden von außen ist es, was die kreisende Bewegung überhaupt erzeugt. Ein Lebendiges ist, in Schmiekes Formulierung, eine stehende Weigerung, ins Gleichgewicht zu kommen.
Der Stein ruht, so weit irgendetwas ruhen kann. Der Organismus kann es sich nicht leisten. Er muss ununterbrochen zahlen — und das ist keine Schwäche, sondern die Bedingung dafür, dass er überhaupt lebt.
“Eine Ordnung, die aufgehört hat zu kosten, ist bereits eine Pfütze.”— Wolfgang Blüml
Wie das im Alltag aussieht
Übertragen Sie das einmal auf Dinge, die keine Organismen sind, und es wird sofort erkennbar.
- Eine Freundschaft, die man nicht mehr pflegt, verschwindet nicht dramatisch. Es gibt kein Zerwürfnis, keinen Bruch. Sie hört einfach auf zu kreisen. Man würde sich, wenn man sich träfe, immer noch mögen — und man trifft sich nicht mehr. Die Form ist noch da. Der Strom nicht.
- Ein Team, in dem alles geregelt ist und nichts mehr in Bewegung, sieht auf dem Organigramm hervorragend aus. Die Prozesse laufen, die Besprechungen finden statt, die Zuständigkeiten sind klar. Und niemand hat seit zwei Jahren eine Idee gehabt.
- Eine Beziehung kann tadellos geordnet und vollkommen leblos sein. Die Aufgabenteilung funktioniert, der Kalender ist abgestimmt, es gibt keinen Streit. Genau das ist oft das Beunruhigende: Es gibt nichts, worüber man reden müsste. Und deshalb redet man nicht.
- Eine Tagesstruktur, die perfekt läuft und in der seit Monaten nichts Unerwartetes passiert ist, ist keine gute Tagesstruktur. Sie ist ein Trichter, in dem die Strömung steht.
Das Unangenehme an dieser Diagnose ist, dass sie das Gegenteil dessen sagt, was man normalerweise anstrebt. Wir arbeiten daran, dass die Dinge ruhiger werden, reibungsloser, weniger aufwendig. Und der Punkt, an dem es endlich reibungslos läuft, ist nicht selten der Punkt, an dem es aufgehört hat zu leben.
Der gerade Weg — und die vier Arten einzugreifen
Schmieke geht einen Schritt weiter und zeichnet eine Landschaft, auf der ein Zustand sich bewegt. Wichtig ist, wie diese Landschaft Entfernung misst: nicht, wie weit zwei Zustände räumlich auseinanderliegen, sondern wie leicht man den einen vom anderen unterscheiden kann.
Und daraus fällt eine Einteilung, die ich für den brauchbarsten einzelnen Gedanken des ganzen Kapitels halte. Es gibt genau vier Arten, in ein solches System einzugreifen.
- Das Tempo ändernMan verändert nicht die Richtung, sondern die Geschwindigkeit auf der Bahn, auf der jemand ohnehin ist. Anschieben oder ausbremsen. Im Alltag: mehr Kaffee, weniger Termine, ein freies Wochenende.
- ZurücklenkenMan schiebt zur ursprünglichen Bahn zurück. Das ist die klassische Korrektur — und das, was die meisten Ratschläge sind: Mach es wieder so, wie es funktioniert hat.
- Die Landschaft umformenMan verändert das Gelände selbst, sodass eine andere Bahn zur geraden wird. Nicht zurück zur alten Normalität, sondern eine neue, in der der Weg, auf dem man ohnehin ist, der Weg des geringsten Aufwands wird.
- Die Struktur ändernSelten und radikal. Im Leben: der Umzug ins andere Land, der komplette Berufswechsel.
Der entscheidende Satz steht bei Schmieke fast nebenbei: Nur die dritte kann den Weg, auf dem jemand ohnehin schon ist, zum optimalen machen — statt ihn zu einer fernen Bahn zurückzuzwingen. Sie ist auch die langsamste. Das ist, in seinen eigenen Worten, der Unterschied zwischen einer Änderung des Lebens und einer Änderung des Mittels. Er kennzeichnet die zugrunde liegende Kostenfunktion als gesetzt, also als Modellwahl.
Zwei Dinge, die ich hier weggelassen habe
Läuft es bei dir gut — oder läuft es nur noch?
Der Unterschied zwischen Strudel und Pfütze fällt von innen oft jahrelang nicht auf, weil sich beides nach Stabilität anfühlt. Wenn du beim Lesen an einen bestimmten Bereich denken musstest, schildere mir deine Situation. Ich schaue mit der TimeWaver-Technologie in dein Informationsfeld: welche Muster dort gerade Resonanz zeigen. Du erhältst drei persönliche Impulse mit einem konkreten Ansatzpunkt.
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Häufige Fragen
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Dieser Artikel referiert Gedanken aus einem physikalisch-philosophischen Fachbuch und ist als Alltagsorientierung gedacht. Sämtliche Gedanken und Bilder stammen von Marcus Schmieke; die Zuordnungen zum Alltag sind meine eigenen Übertragungen und keine Aussagen des Buches. Die beschriebenen Impulse unterstützen das allgemeine Wohlbefinden und die ganzheitliche Balance. Sie stellen keine medizinische Diagnose dar, versprechen keine Heilung und ersetzen keine ärztliche oder therapeutische Behandlung.
